Der deutsche Weg zur EU-Armee (V)

Von Redaktion “German Foreign Policy” | – Die Bundeswehr unternimmt neue Schritte zum Aufbau einer EU-Armee. Jüngster Ausdruck dieses Prozesses ist die zunehmende Verschmelzung deutscher und niederländischer Truppenverbände. Im Fokus steht dabei die für Aufstandsbekämpfung und Kommandooperationen hinter den feindlichen Linien geschaffene „Division Schnelle Kräfte“ (DSK), zu der auch das in illegale Tötungen in Afghanistan involvierte „Kommando Spezialkräfte“ zählt.

Bereits letztes Jahr hat die DSK die Befehlsgewalt über eine niederländische Eliteeinheit übernommen; vor wenigen Tagen wurde jetzt gemeinsam der Interventionskrieg trainiert. Bei dem Manöver „Red Griffin 2015“ ging es darum, eine Erhebung meuternder Soldaten auf einer fiktiven Atlantikinsel niederzuschlagen.

Die Übung im „Gefechtssimulationszentrum“ des deutschen Heeres verfolgte insbesondere das Ziel, deutsche und niederländische Systeme der Truppenführung zu „synchronisieren“, um auf diese Weise die „volle Einsatzbereitschaft“ des gemeinsamen Truppenverbandes zu gewährleisten.

Fast zeitgleich trainierte eine Spezialeinheit der Bundesmarine gemeinsam mit ihrem niederländischen Pendant die Landung an einer fremden Küste. Erklärtes Ziel war hierbei, die „Kompatibilität der deutschen Fahrzeuge mit den niederländischen Landungsbooten“ im Kriegsfall sicherzustellen.

Roter Greif

Wie die Bundeswehr mitteilt, ist sie bei der Integration niederländischer Truppen in die eigenen Kampfverbände ein wichtiges Stück vorangekommen. Das in den vergangenen Tagen im „Gefechtssimulationszentrum“ der deutschen Streitkräfte im bayerischen Wildflecken abgehaltene Manöver „Red Griffin“ („Roter Greif“) sei ein „sichtbarer Beleg für die weit fortgeschrittene und tiefgreifende deutsch-niederländische Zusammenarbeit“, erklärte der stellvertretende Inspekteur des deutschen Heeres, Generalleutnant Carsten Jacobson.[1]

Federführend bei der Übung war die für Aufstandsbekämpfung und Kommandooperationen hinter den feindlichen Linien geschaffene „Division Schnelle Kräfte“ (DSK), zu der auch das in illegale Tötungen in Afghanistan involvierte „Kommando Spezialkräfte“ zählt. Trainiert wurde insbesondere das Zusammenwirken mit der 11. Luftbeweglichen Brigade der Niederlande, die seit Mitte letzten Jahres der DSK unterstellt ist.

„Die gemeinsame Planungs- und Führungsübung ‚Red Griffin‘ ist für das weitere niederländisch-deutsche Zusammenwachsen unter dem Dach der DSK sehr bedeutsam“, urteilte auch der niederländische Brigadegeneral Jack van Maaswaal, der als stellvertretender Kommandeur der DSK fungiert. Seiner Auffassung nach befindet man sich auf einem „sehr guten Weg“ zur „Herstellung der vollen Einsatzbereitschaft“ des gemeinsamen Gefechtsverbandes.[2]

Aufstandsbekämpfung

Konkret stellte sich das Manöverszenario für „Red Griffin“ wie folgt dar: „Die fiktive Insel Pandora liegt mitten im Atlantischen Ozean. Sie ist auf fünf Staaten aufgeteilt, deren Spannungen untereinander stark zugenommen haben. Insbesondere Obsidia unterliegt ethnischen Auseinandersetzungen, die durch Einmischung eines Nachbarstaates zu einem hybriden Konflikt eskaliert sind. Obsidianische Truppen meuterten schließlich und kämpfen seitdem gegen die gewählte Regierung. Obsidia bat die Vereinten Nationen um Hilfe.“[3]

In dieser Situation erhält die DSK den Auftrag, auf „Pandora“ einen „Gefechtsstand“ einzurichten, die Aufständischen niederzukämpfen und die Überlebenden an die regulären Truppen des Staates „Obsidia“ auszuliefern. Durchgeführt wird die Operation von Fallschirmjägern der DSK und der 11. Luftbeweglichen Brigade der Niederlande, die ihrerseits von deutschen und niederländischen Kampfhubschraubern unterstützt werden: „Mit ihren präzisen Bordwaffen sind sie den Feindkräften überlegen. Binnen kurzer Zeit ist die abtrünnige Kompanie eingeschlossen. Schließlich erkennt der Kommandeur seine aussichtslose Lage und gibt auf.“[4]

Europäischer Geist

Schon vor dem von der Bundeswehr als überaus „erfolgreich“ gefeierten Manöver „Red Griffin“ [5] hatte die deutsche Presse die Unterstellung der 11. Luftbeweglichen Brigade der Niederlande unter die Befehlsgewalt der DSK zur Blaupause für eine „europäische Armee“ erklärt: „Nie zuvor war ein militärischer Verband eines europäischen Landes in den Großverband eines anderen europäischen Landes eingebunden worden, nie zuvor hatte ein Staat auf diesen elementaren Kernbestandteil seiner Souveränität verzichtet.“[6]

Ganz ähnlich äußerte sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei den offiziellen Feierlichkeiten aus Anlass der deutschen Kommandoübernahme. Diese entspreche „dem europäischen Geist in seiner besten Weise“ und habe das Zeug zum „Vorbild“ für eine „gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“, sagte die Ministerin im Hauptquartier der DSK im hessischen Stadtallendorf.[7]

Kurz vor dem Beginn des Manövers „Red Griffin“ verlieh nun der Kommandeur der DSK, Generalmajor Andreas Marlow, seinem niederländischen Stellvertreter Jack van Maaswaal das „Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold“. Van Maaswaal sei die „Personifikation der gelebten und vorgelebten Freundschaft beider Nationen“, erklärte Marlow in seiner Laudatio und nannte den Ausgezeichneten einen „Garant(en) für die weitere positiv verlaufende binationale Auftragserfüllung“.[8]

Gefechtssimulation

Schon seit längerem nimmt die Bundeswehr entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung niederländischer Stabsoffiziere. Im „Gefechtssimualtionszentrum“ des deutschen Heeres etwa, in dem jetzt die Übung „Red Griffin“ stattfand, wurde bereits 1999 ein „Verbindungskommando“ der niederländischen Armee installiert.[9]

Zu den Nutzern der Einrichtung zählen sowohl die I. Division der Niederlande als auch das im westfälischen Münster stationierte I. Deutsch-Niederländische Korps, das – analog zu „Red Griffin“ – regelmäßig „Luftlandeoperationen“ trainiert [10].

Die im „Gefechtssimulationszentrum“ eingesetzte Software wiederum stammt von der Industrieanlagen Betriebsgesellschaft (IABG), einem der führenden Dienstleitungsunternehmen der Bundeswehr.

Amphibische Operationen

Zeitgleich mit „Red Griffin“ nahmen Soldaten des deutschen „Seebataillons“ an einer „Landungsübung“ der Königlich-Niederländischen Marine im niederländischen Den Helder teil. Das „Seebataillon“ ist nach eigenem Bekunden auf die Kriegsführung in „küstennahen Bereichen“ spezialisiert [11]; trainiert wurde denn auch das Absetzen deutscher Panzerwagen an einem fremden Strand.

Erklärtes Ziel des Manövers war es, die „Kompatibilität der deutschen Fahrzeuge mit den niederländischen Landungsbooten sicherzustellen“ – im Hinblick auf „zukünftige amphibische Operationen“.[12]

Quelle: German Foreign Policy

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank!

Bitte lesen Sie auch Der deutsche Weg zur EU-Armee (I), Der deutsche Weg zur EU-Armee (II), Der deutsche Weg zur EU-Armee (III) und Der deutsche Weg zur EU-Armee (IV).


[1] Besuchermagnet AMMCP bei „Red Griffin“. www.deutschesheer.de 11.12.2015.
[2] Auftrag: „Obsidia“ stabilisieren! Niederländische 11. Luchtmobiele Brigade auf „Pandora“. www.deutschesheer.de 09.12.2015.
[3] Division Schnelle Kräfte sichert Souveränität von Obsidia. www.deutschesheer.de 03.12.2015.
[4], [5] The Griffin has landed – Übungsbeginn auf „Pandora“. www.deutschesheer.de 10.12.2015.
[6], [7] Siehe dazu
Der deutsche Weg zur EU-Armee (III).
[8] Stellvertretender niederländischer Kommandeur der DSK erhält Ehrenkreuz der Bundeswehr. www.deutschesheer.de 09.12.2015.
[9] Gefechtssimulationszentrum Heer – Geschichte. www.deutschesheer.de 06.05.2014.
[10] Siehe dazu
Der deutsche Weg zur EU-Armee (III).
[11] Zum „Seebataillon“ der Bundeswehr siehe
Das Multitool der Marine.
[12] Internationale Kooperation: Erstmals üben niederländisches Korps Mariniers und Seebataillon gemeinsam. www.marine.de 11.12.2015.

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