Empört Euch! Die Räder stehen still.

Egon-W-Kreutzer.deVon Egon W. Kreutzer | Egon-W-Kreutzer.de | – Verdammte Schweinerei! Der längste Streik bei der deutschen Eisenbahn seit dem Siebenjährigen Krieg ist ausgebrochen! Wie sollen jetzt die dringend benötigten Just-in-time-Güter in den Fabriken ankommen, wie die Pendler zu ihren Arbeitsplätzen, wie die Oma zu ihren Enkeln, wie die Aktionäre zu ihren Gewinnen?

Es kann doch nicht sein, dass rund 34.000 Lokführer die gesamte Republik für eine ganze Woche vollständig lahmlegen, nur weil sie ihre irrwitzigen Vorstellungen von angemessenen Löhnen, angemessenen Arbeitszeiten und ihre absurde Auslegung des Streikrechts durchsetzen wollen.

Gäbe die Bahn nach, dann müsste sie alleine wegen der geforderten Arbeitszeitverkürzung um eine Stunde ungefähr 900 zuzätzliche Lokführer einstellen. Das kostet alleine rund 33 Millionen Euro im Jahr. Die Lohnerhöhung um 5 Prozent kostet weitere 33 Millionen im Jahr, nehmen wir für sonstige Forderungen der Gewerkschaft – und um mögliche Schätzfehler auszugleichen, noch einmal 33 Millionen pauschal dazu, dann geht es bei der Gesamtforderung der GdL um 99 Millionen jährlich.

Der volkswirtschaftliche Schaden, der damit angerichtet wird, kostet jeden Bundesbürger – weil am Ende ja alles in den Preisen der Endverbraucher landet – jährlich 1,25 Euro. Eine vierköpfige Familie würde damit mit vollen 5 Euro jährlich belastet. Das ist eine vollkommen unsolidarische Forderung. Lokführer sind Volksschädlinge, die sich auf Kosten des ganzen deutschen Volkes ungerechtfertigt bereichern wollen. Niemals!

Niemals darf die Bahn da nachgeben! Niemals.

Gut, dass die Bahn noch im Bundesbesitz ist. Da muss die Politik jetzt mit aller Kraft gegensteuern und das Tarifeinheitsgesetz noch in dieser Woche verabschieden und rückwirkend zum 1. Januar 2014 in Kraft setzen. Nieder mit den Lokführern!

Deutschland hat doch schon genug zu leiden! Alleine die Deutsche Bank muss jetzt 2.500 Millionen Euro Strafe zahlen, insgesamt rechnet sie mit rund 7 Milliarden aus Geschäften, die von niederträchtigen ausländischen Gerichten als „strafbar“ angesehen werden. Diese 7 Milliarden müssen erst einmal wieder verdient werden! Und auch die finden sich letztlich in den Preisen für die Endverbraucher wieder.

Klar, die Aktionäre müssen schon im ersten Quartal auf rund eine halbe Milliarde Gewinn verzichten, aber es ist ja letztlich egal, ob die Aktionäre nun jährlich 2 Milliarden bekommen, oder nur eine, und die andere geht als Strafzahlung ins Ausland. Die zwei Milliarden müssen reinkommen. Das belastet jeden Bundesbürger durchschnittlich mit 25 Euro pro Jahr, eine vierköpfige Familie mit glatten 100 Euro.

Irgendwann muss da doch mal Schluss sein! Da können doch nicht auch noch die Lokführer mit Lohnforderungen daherkommen!

Außerdem gibt es ja noch ein paar mehr Banken. Einige davon mussten schon mit Steuergeldern gerettet werden, trotzdem müssen auch die immer noch Gewinne für ihre Aktionäre erwirtschaften. Die Aktionäre der DAX-Konzerne wollen auch Dividenden sehen. Das läppert sich! Das waren im letzten Jahr insgesamt 27 Milliarden Euro, jedenfalls die ausgewiesenen und zu versteuernden Gewinne, jeder Bundesbürger hatte also alleine schon für den Stolz Deutschlands, denn das sind die Blue Chips im DAX schließlich, rund 340 Euro abzuliefern. Die vierköpfige Familie ist da mit fast 1.400 Euro dabei.

Nun stellt euch vor, die Lokführer gewinnen! Entweder, den DAX-Aktionären gehen 99 Millionen verloren, das sind immerhin 3,67 Promille, was niemand ernsthaft fordern kann, weil dieser Verlust einen Kursrutsch an den Börsen auslösen und Zig-Milliarden Börsenkapitalisierung vernichten würde, oder der Ausgleich muss über die Preise wieder hereingeholt werden.

Da sind die Lokführer fein raus. Die bekommen nämlich fünf Prozent mehr. Das sind netto rund 100 Euro im Monat, während sie selbst nur mit 1,25 Euro in Haftung genommen werden.

Aber alle anderen, die sich zurückhalten und keine Forderungen stellen, um den Standort Deutschland und ihre Arbeitsplätze nicht zu gefährden, die müssen für den Reibach der Lokführer blechen!

Es ist ungeheuerlich!

Leute! Besetzt die Lokomotiven! Fahrt die Züge selbst! Zeigt der GdL was eine Harke ist. Seht zu, dass ihr trotz Streik pünktlich zur Arbeit kommen werden, weil euer starker Arm es will! Dann werden sie schon wieder angekrochen kommen, und winseln: „Gebt uns unsere Lokomotiven zurück!“

Aber da heißt es hart bleiben. Wer sich so am deutschen Volk versündigt, hat keine Gnade verdient. Hartz-IV mit 100 Prozent Sanktion lebenslänglich. Das ist die einzige Strafe, die hier in Frage kommt. Zudem eine Strafe, die unbedingt vollstreckt werden muss, um endlich auch die Piloten abzuschrecken und in die Cockpits zu zwingen, wo sie hingehören!

Nachtrag (Update): Was dazu noch gesagt werden muss, hat Sigmar Gabriel gesagt, hier in roter Schrift, damit niemand vergisst, dass das der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) ist.

„Der Tarifstreit bei der Bahn ist für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen. Der angekündigte Streik wird Pendler und Reisende, aber auch die Deutsche Bahn und die gesamte deutsche Wirtschaft insgesamt schwer treffen. Alle Beteiligten müssen sich fragen, ob der Schaden, den dieser Ausstand anrichten könnte, noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung steht. Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen.“

Der Hinweis auf diese Aussage stammt von Claude Michael Jung, dem Macher von Saarkurier-Online, der mir heute mitteilte, dass diese Website ganz aufgegeben wird. Schade!

Dem hat er noch den folgenden Text beigefügt:

Lokführerstreik – Solidarität mit den geschundenen Bahnaktionären – „Deutschland wird auch an der Börse verteidigt!“

Von Claude Michael Jung

Die vom Lokführerstreik hart betroffenen Bahnaktionäre brauchen jetzt dringend unsere Solidarität. Völlig unschuldig sind sie an der Minimierung ihrer, doch hochverdienten Gewinne. Wird die Bundesregierung ein Hilfsprogramm auflegen, Jo Gauck, der oberste Lokführer der Republik ihnen Trost zusprechen, oder gibt es gar einen Spendenaufruf für die Geschundenen? Lassen wir die von Armut und Elend bedrohten Aktionäre nicht einfach im Regen stehen. Millionen sind in diesem Land doch schon von Hartz IV in Armut getrieben worden. Sollen jetzt auch noch die unschuldigen Bahnaktionäre dazukommen?

Im Jahr 1902 wurde zur Finanzierung der Kriegsflotte Kaiser Wilhelms II. die Sekt und Schaumweinsteuer eingeführt. Der Kaiser hat abgedankt und die Flotte ist auch dahin. Die Sektsteuer hat es Gott sei Dank überlebt. Aus ihren Einnahmen muss nun ein Rettungsfond für unsere Bahnaktionäre gefüttert werden. Wenn nur 50 Millionen Deutsche täglich zur Pulle greifen schafft dies unseren Aktionären neu Luft für neue Taten. Deutsche denkt immer daran: „Deutschland wird auch an der Börse verteidigt!“

Quelle: Egon-W-Kreutzer

Mit freundlicher Genehmigung. Danke, Wolfgang!

Politik im Spiegel gefällt mir. Ich möchte via PayPal
Oder die Bankverbindung via E-Mail erfragen.
Veröffentlicht unter Arbeit, Finanzen/Banken, Politik/Wirtschaft, Widerstand | | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , ,