Florian Heilig 900 Tage tot

Egon-W-Kreutzer.deVon Egon Wolfgang Kreutzer | Egon-W-Kreutzer.de | – Am 16. September 2013, vor 900 Tagen, endete das Leben des Zeugen Florian Heilig. Er wollte vor der Kriminalpolizei in Stuttgart über sein Wissen zur Ermordung der Polizistin Michele Kiesewetter aussagen. Eine zentrale Frage in der Aufklärung der so genannten „NSU-Mordserie“.

Ich wage hier eine Spekulation über einen möglichen Tathergang und die dabei möglicherweise eingesetzte Technik.

Zuvor jedoch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zu einem Geschehens, das schon längst wieder in Vergessenheit geraten ist:

Florian Heilig starb in seinem eigenen Pkw auf einem Parkplatz am Stuttgarter Wasen, weil es im Wageninneren zu einer Explosion und/oder einem Brand gekommen war.

Die Erkenntnisse über die Zeit kurz vor dem Ereignis sind widersprüchlich. Zeugen, die das Geschehen telefonisch meldeten, konnten nicht ausfindig gemacht werden. Berichte von einem Mann, der kurz vorher in das Fahrzeug einstieg, konnten ebensowenig überprüft werden, wie Aussagen, die darauf hindeuten, dass Florian Heilig selbst unmittelbar vor dem tödlichen Geschehen mit einer brennenden Zigarette in sein Fahrzeug einstieg. Der einzige echte Zeuge, der das Fahrzeug Heiligs etwa 10 Sekunden vor dem Ereignis wahrnahm, glaubte es sei leer. Bewegungen im Wageninneren habe er nicht wahrgenommen. Er berichtet jedoch von einer Stichflamme und einem lauten Knall.

Der Wagen wurde nicht am Fundort kriminaltechnisch untersucht, sondern abgeschleppt. Schon nach zwei Tagen sollte der Pkw verschrottet werden. Die Familie Florian Heiligs verhinderte das und fand im Wagen dann unter anderem den Laptop und das Handy des Toten. Mögliche Beweismittel, nach denen offenbar nicht gesucht worden war und die mit verschrottet worden wären.

Saubere Polizeiarbeit sieht anders aus, Vorsätzliches Handeln lässt sich daraus alleine jedoch nicht nachweisen.

Beim Versuch der Aufklärung des Geschehens war eine wesentliche Frage, ob Florian Heilig denn überhaupt noch handlungsfähig war, weil bei der Obduktion seiner Leiche ein Medikamentenmix festgestellt wurde, der durchaus schon vor seinem flammenden Ende zur Bewusstlosigkeit hätte geführt haben können.

Ich habe mich bisher zu den Geschehnissen im Umfeld der NSU-Morde nicht geäußert. Mein heutiger Beitrag ist der Versuch, eine Version des Geschehens anzubieten, die sich mit allen bekanntgewordenen Erkenntnissen deckt und auch durch Einbeziehung der bestehenden Widersprüche in den Aussagen nicht abgelehnt werden kann.

Es ist eine Version, welche die umstrittene Selbstmordtheorie nicht antastet, aber die Möglichkeit eines als Selbstmord inszenierten Attentats aufzeigt. Dabei will ich keinerlei Schlussfolgerung über die Herkunft und Absichten möglicher Täter ziehen, lediglich veranschaulichen, wie ein solches Attentat hätte vollzogen werden können.

Hypothese zum Tathergang eines Attentats

Florian Heiligs Pkw war mit einer Vorrichtung präpariert, die ein Brand/Explosions-Ereignis auslöste, dessen Spuren im ersten Anschein auf eine Selbstbrennung hindeuten.

Unter dieser Prämisse ist Florian Heiligs Handlungsfähigkeit im Zeitpunkt der Auslösung dieser Vorrichtung vollständig irrelevant.

Von Relevanz ist stattdessen

  • die Frage, ob Florian Heilig nach der Auslösung noch handlungsfähig war, also sich aus dem Pkw hätte retten können,
  • die Frage, ob eine solche Vorrichtung unbemerkt und in möglichst kurzer Zeit hätte installiert werden können und
  • wie die Auslösung eines solchen Anschlags technisch so hätte bewerkstelligt werden können, dass das Opfer sich auf jeden Fall im Wirkungsbereich befindet.
  • Letztlich ist von Relevanz, wie eine solche Vorrichtung, sollte der Anschlag aus welchen Gründen auch immer nicht stattfinden, vor zufälliger Entdeckung gesichert und ggfs. schnell und einfach wieder entfernt werden kann.

Alle diese Fragen lassen sich befriedigend beantworten, wenn eine Konstruktion verwendet wurde, wie sie hier vom Prinzip her erläutert wird:

Die Zwei-Phasen Mini-Aerosol-Bombe.

Beabsichtigte Wirkung:

Das Ziel wird zunächst mit einer kleinen Menge eines herkömmlichen Brandbeschleunigers (z.b. Benzin) besprüht, um später den Anschein der Selbstverbrennung erwecken zu können.

Sekundenbruchteile später wird der Innenraum des Pkws mit einem Aerosol gefüllt, das unmittelbar danach gezündet wird.

Es entsteht eine heftige Explosion (Lichtblitz/Knall), die das Opfer zwar nicht zwingend tötet, aber doch für eine Weile außer Gefecht setzt, und zwar intensiver als die bei polizeilichen Erstürmungen sonst eingesetzten Blendgranaten. Unmittelbar nach der Explosion ist sämtlicher Sauerstoff im Innenraum verbrannt, die Luft im Wageninneren besteht aus giftigen bzw. erstickenden Gasen.

Das Opfer atmet wegen des Sauerstoffmangels zwangsläufig heftiger, nimmt giftige Gase intensiv auf und erstickt schließlich. Sollte es vorzeitig befreit werden, werden die Vergiftungserscheinungen mit Verzögerung zum Tode führen.

Alle der Explosion zugänglichen Oberflächen im Wageninneren weisen Brand- und Sengspuren auf. Im Wagen riecht es immer noch nach dem wegen Sauerstoffmangel nicht, bzw. nur unvollständig verbrannten Brandbeschleuniger Benzin.

Wie könnte eine solche Vorrichtung beschaffen sein?

Für eine technisch gut ausgerüstete Versuchswerkstatt ist die Herstellung einer geeigneten Vorrichtung problemlos möglich.

Ein Kunststoff- oder Aluminium-Rohr, von ca. 15 mm Innendurchmesser und etwa 12 cm Länge wird durch einen Mittelsteg in zwei getrennte Kammern unterteilt.

Kammer A ist mit Kammer B über eine Bohrung so verbunden dass ein beweglichen Kolben in Kammer A durch den Druck in Kammer B nach vorne bewegt wird, sobald der Druck in Kammer A sinkt.

Kammer A ist mit einem üblichen Brandbeschleuniger, z.B. Benzin und einem Treibgas gefüllt. Der Brandbeschleuniger wird nach dem Auslösen als Strahl durch die Düse 1 verspritzt.

Kammer B ist mit einer durch Treibgas unter Druck gesetzten Flüssigkeit gefüllt, die nach dem Verspritzen des Brandbeschleunigers (Kammer A, Düse 1) durch eine zweite, sehr feine Düse 2 zerstäubt und anschließend gezündet wird.

Diese Abfolge wird alleine durch die Öffnung von Düse 1 ausgelöst. Dadurch sinkt der Druck in Kammer A, der Kolben bewegt sich von seiner Anfangsposition in Richtung Düse 1, bis Kammer A vollständig geleert ist. Am Ende dieser Strecke erreicht der Kolben eine Position, in der er die durch Federdruck gesicherte Düse 2 über einen Kipphebel-Mechanismus öffnet. Das unter Druck stehende, noch flüssige Aerosol wird nun fein zerstäubt. Ein Mini-Druckschalter in Kammer B löst aus, wenn der Innendruck stark nachgelassen hat. Eine Knopfzelle liefert, über eine kleine elektronische Schaltung dann in schneller Folge mehrere kräftige Zündfunken.

Zum schnellen Einbringen eignet sich zum Beispiel in die Kopfstütze des Beifahrersitzes. Der vorbeschriebene Druckbehälter wird um eine aufschraubbare, kreuzförmige Schneidspitze ergänzt, die im Bereich des Gewindes Platz für die Aufnahme der Knopfzelle und der notwendigen Elektronik bietet.

Zur Tarnung wird die Vorderseite mit den beiden Düsen und den Zündelektroden als flache Kunststoffscheibe (in den Wagenfarben des Zielfahrzeugs) gestaltet, die das Druckrohr abdeckt. 

Die gesamte Vorrichtung kann nun mit einer einzigen Bewegung in weniger als einer Sekunde bis zu dem, durch die Kunststoff-Abdeckscheibe definierten, Anschlag eingeführt werden.

Wie kann eine solche Vorrichtung gezielt ausgelöst werden?

Erforderlich für den gesamten Ablauf ist es lediglich, die Spritzdüse von Kammer A zu öffnen.

Dazu ist Fernzündung per Funk denkbar, wobei die Knopfzelle auch die Energie für die Öffnung des Verschlusses liefern kann.

Es kann jedoch auch ein chemischer Verzögerungszünder verwendet werden, der mit dem Einstoßen der Vorrichtung in die Kopfstütze oder das Sitzpolster aktiviert wird.

Wie kann eine solche Vorrichtung in das Fahrzeug eingebracht werden?

Bei Verwendung eines Verzögerungszünders ist das Erscheinen eines Täters kurz vor dem Ereignis erforderlich. Einige unbestätigte Zeugenaussagen deuten auf diese Möglichkeit hin. Ein kurzes Einsteigen, vielleicht für letzte Instruktionen, Absprachen, Warnungen, genügt vollkommen, um das Gerät unbemerkt zu platzieren.

Bei Verwendung eines Funkzünders kann jede Person, die sich in den Tagen vor dem 16. September 2013 Zugang zum Wagen beschaffen konnte oder von Florian Heilig mitgenommen wurde, die Vorrichtung unbemerkt einbringen. Das dauert weniger als eine Sekunde und wird vermutlich vom Opfer weder bei der Installation, noch danach bemerkt werden. Der Täter muss den Wagen allerdings verfolgen, um die Zündung im richtigen Augenblick sicher auslösen zu können.

Sollte der Anschlag abgesagt werden oder die Vorrichtung wider Erwarten versagen, kann sie schnell und ohne auffällige Spuren zu hinterlassen einfach wieder herausgezogen werden.

Das gilt auch, wenn der Anschlag gelungen ist. Es genügt ein gezielter Handgriff und das Tatwerkzeug ist nicht mehr auffindbar.

Fazit

Florian Heiligs Handlungsfähigkeit zum Zeitpunkt des Ereignisses ist, wie bereits erwähnt irrelevant.

Die Frage, wie lange im Wageninneren verschüttetes Benzin zündfähig bleibt, über die auch viel diskutiert wurde, ist sowohl im Zusammenhang mit der Handlungsfähigkeit, als auch grundsätzlich in diesem Fall irrelevant.

Ob ein Unbekannter in das Auto eingestiegen ist, oder nicht, ist ebenfalls irrelevant. Die Möglichkeit, unterschiedliche Auslösemechanismen zu verwenden, lässt beide Varianten zu. 

Der Widerspruch zwischen dem von den Feuerwehrleuten festgestellten alkohol-ähnlichem Geruch und dem von Polizisten später festgestellten Benzingeruch ist irrelevant. Der Benzingeruch kann kurz nach der Aerosol-Explosion noch überdeckt gewesen sein, später kann der Geruch des nicht verbrannten Benzins dominant geworden sein.

Ein Mordanschlag unter Verwendung eines relativ einfachen und leicht zu installierenden Hilfsmittels, wie hier beschrieben, wäre also durchaus möglich gewesen und würde vom Ablauf her zu den den gesicherten Spuren und den bestätigten und unbestätigten Zeugenaussagen passen.

Damit ist die Frage, wer ein so starkes Interesse daran gehabt haben könnte, dass Florian Heilig nicht aussagt, keinesfalls beantwortet.

Klar ist meines Erachtens jedoch, dass es keinesfalls Selbstmord gewesen sein muss.

Weiterlesen können Sie hier bei Wolf Wetzel: Zweifel an Polizeiversion – Wenn Mord die wahrscheinlichere Todesursache ist

Quelle: Egon-W-Kreutzer.de

Mit freundlicher Genehmigung. Danke, Wolfgang!

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