Religiöser Fanatismus oder Teil eines Spiels

Von Claudia V. | – Zum Tageskommentar vom 11.1.15 auf Egon-W-Kreutzer.de möchte ich folgendes ergänzen: In zwei Punkten stimme ich mit den Ausführungen überein: Zum einem, dass der/die Attentate so ausgesprochen dämlich in Szene gesetzt worden sind, dass es einen förmlich anschreit. Auch das Hinterlassen diverser „Indizien“, sowie des obligaten Videos, lassen die Ereignisse in Frankreich nach 9/11 zu einem Déjà-Vu-Erlebnis werden.

Der zweite Punkt ist natürlich die Frage nach dem „cui bono“ – die üblichen Forderungen nach mehr Überwachung sind in Frankreich obsolet, da es dort bereits eine Vorratsdatenspeicherung gibt und auch der Richtervorbehalt größtenteils abgeschafft ist. Eine Ablenkung im politischen Sinne haben Sie in Ihrem Kommentar bereits in verschiedene Richtungen untersucht. Somit bleibt die Frage, neben Ihrer Mutmaßung, weiterhin bestehen.

Wenn man sich regelmäßig über verschiedene Quellen im Internet informiert, so stößt man auf Nachrichten, die man zur Kenntnis nimmt, welche, die Kopfschütteln hervorrufen oder irritieren und welche, bei denen man sich fragt: Wozu soll das gut sein? Zahlreiche Informationen, die vorerst in keinem Zusammenhang stehen, die im Falle eines Schlüsselereignisses durchaus einen Sinn ergeben.

Eine dieser Informationen war für mich Ihr Tageskommentar vom 28. Oktober 2014 (egon-w-kreutzer.de) – Ein Bericht aus Bonn vom August 2014, in dem Sie das Schreiben eines Lesers(?) über radikal-islamistische Aktivitäten in Bonn wiedergaben. Informationen, bei denen ich mich fragte, mit welchem Ziel Saudi Arabien „Salafisten“-Schulen in Europa finanziert. Ein paar verirrte, junge Menschen werden dem Angebot wohl folgen, aber, so meine Einschätzung, dem Großteil der muslimischen Jugend hierzulande dürfte das ziemlich egal sein.

Eine weitere Information war eher eine zur Kenntnis genommene. Felix von Leitner (fefe) berichtete sowohl bei dem Fnord-Jahresrückblick auf dem w31c als auch auf seinem Blog (blog.fefe.de) über Charts der Ölpreise und inwieweit der Verfall des Ölpreises bei den ölfördernden Ländern zu Defiziten in ihren Haushalten führt. Er bemerkte, dass Saudi Arabien über großzügige Rücklagen verfüge, um noch einige Zeit seinen Haushalt ausgleichen zu können. Die Konkurrenz wird bei weiterhin niedrigem Ölpreis im wahrsten Sinne ausgehungert.

Die Information, bei der es bei mir „Bling“ gemacht hat, war der Artikel von Albrecht Müller vom 08.01.2015 auf den NachDenk-Seiten (nachdenkseiten.de) zu dem Attentat in Paris. Dort verlinkte er u.a. auf ein Video-Interview mit Andreas von Bülow zu dem Thema „Verdeckte Operationen und deren Erahnung durch den Laien“.

Von Bülow nahm dort auch Bezug auf das Werk von Samuel Huntington „Kampf der Kulturen“ (The Clash of Civilizations wikipedia.org), das neben Brzezińskis Werken (wikipedia.org),„The Grand Chessboard“ bis zu „Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power“, das Weltbild der sogenannten „Falken“ in Washington bestimmen. Zu bemerken ist das Erscheinungsdatum der aufgeführten Bücher und mit dem Verlauf der US-amerikanischen Politik und einschneidenden Ereignissen zu vergleichen.

Saudi Arabien ist ein langjähriger und enger Verbündeter der USA, die bereits bei der Finanzierung und Rekrutierung von Al Qaida behilflich waren. Auch die aktuelle IS dürfte wohl nicht unerheblich aus dieser Richtung Unterstützung erfahren. Die „Radikalisierung“ der muslimischen Welt gegen die christliche Welt ist, neben dem „Krieg um Ressourcen“, schon seit langen im Gang. Im Zentrum scheint Saudi Arabien zu stehen. Die Radikalisierung muslimischer Minderheiten ist zudem auch ein Werkzeug in dem Versuch, die russische Föderation (als auch China) zu destabilisieren.

Auf der anderen Seite muss natürlich auch im „christlichen Abendland“ für entsprechende Ängste gesorgt werden, um einen maximalen „Kulturkampf“ zu erreichen. Dieser wird ebenfalls seit Jahren von den Medien propagiert und geschürt. Neben allen Unzulänglichkeiten bei der Integration von Zuwanderern, scheint die europäische Bevölkerung allerdings insgesamt doch recht tolerant zu sein. Da ist doch der eine oder andere „Anstubser“ in die richtige Richtung durchaus hilfreich, ebenso wie das „Unterwandern und Destabilisieren“ durch „Salafisten“-Schulen, die, als erfreulicher Nebeneffekt, die hiesigen Muslime ebenfalls in Angst und Schrecken versetzen.

Um wieder auf das „cui bono“ zurückzukommen und die obigen Gedankengänge zusammen zufassen: Der Nutzen liegt auf verschiedenen Ebenen. Zum einem, als oberste Ebene, die Neuordnung der Welt im Sinne der Hegemonialmacht USA, vereint mit den engsten Verbündeten, in abgesteckte „Kulturkreise“.

Die verbleibenden „Konkurrenten“ um die Vormachtstellung wie Russland und China müssen geschwächt und an die, für sie vorgesehene Position gesetzt werden. Die, den jeweiligen Kulturkreis beherrschenden Verbündeten, dürften ihrerseits Ordnungen in ihrem Sinne vornehmen. (Es kann diesbezüglich interessant werden, Saudi Arabiens Vorgehen im Rahmen des Ölpreisverfalls zu beobachten – die Golfländer stehen auf der Kippe.)

Um eine solche Neuordnung vorzunehmen, ist es zwingend erforderlich, die Bevölkerung entsprechend einzustimmen. Die optimalste Situation dürfte die größtmögliche Abgrenzung zueinander ohne Einschränkung des Handels sein. So kann man, wie bei einer Pyramide, das Vorgehen von oben nach unten, im Großen wie im Kleinen, durchgehen.

Es scheint wie eine große Strömung, die zahlreiche kleine Strömungen beinhaltet. Ihre Theorie kann einer der kleineren sein, frei nach dem Motto: mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Es stimmt mich zudem nachdenklich, dass die recht neue Erscheinung der ganzen –IDAs (deren Finanzierung und Herkunft mit einigen Fragezeichen versehen ist) und das Attentat auf die Redaktion Charlie Hedbo kurz hintereinander folgen. Und dies in den entscheidenden Kernländern Europas: Frankreich und Deutschland.

So schrecklich, wie dieses Attentat war, und so schrecklich dies für die Angehörigen ist, sollten wir uns vor Augen führen, dass wir alle nur die Bauern auf einem Brett sind. Den Spielern an diesen Brettern ist das Menschenleben, egal ob im nahen oder mittleren Osten, in Europa, den USA oder Ukraine, ziemlich egal. Wir sollten uns auch nicht der Illusion hingeben, dass europäisches Leben „wertvoller“ ist, als eines aus anderen Ländern. Diese Spiel IST ein ganz bitterböses Schachspiel.

Neben der Kaltblütigkeit des Attentats sind mir in der Folge zwei beängstigende Aspekte sehr ins Auge gefallen: Mit dem Bekanntwerden des Attentats wurden in den sozialen Medien selbst gebildete Menschen zur geifernden und hasserfüllten Meute. Mit geradezu nekrophilem Eifer wurde jedes neue Detail verfolgt und zerlegt. Jeder Ansatz von sachlicher Diskussion wurde als unadäquat (freundlich ausgedrückt) im Keim erstickt. Es war erschreckend und widerlich anzusehen, wie die Leute blind zu der Melodie tanzten, die die Medien spielten.

Der zweite Aspekt ist die ausgesprochene Dummheit bei der Vorgehensweise der „Attentäter“. Was ist schlimmer (sofern man denn die Wahl hat): Das hermetische Weltbild und die Dummheit eines religiösen Fanatikers mit Mordabsichten oder das hermetische Weltbild und die Dummheit einer bestens finanzierten und technisch bestens ausgestatteten Mega-Organisation wie Geheimdienste?

Trotzdem keimt aus diesem Attentat möglicherweise eine Hoffnung, die das große Spiel zumindest stören könnte: Immer mehr Menschen finden sich zusammen, um gegen das „Gegeneinander“ zu protestieren und sich nicht dividieren lassen möchten. Vielleicht ist dies auch das von den „großen Spielern“ unterschätzte Erbe der Europäer, die auf ihrem Kontinent zwei Weltkriege mit all seinen Konsequenzen erlebt haben. Eine Hoffnung, an die ich gerne glaube möchte.

Lieber Herr Kreutzer, seit vielen Jahren bin ich nun schon eine regelmäßige Leserin Ihrer sehr intelligenten und hervorragend formulierten Gedanken, seien es die Tageskommentare oder die Paukenschläge. In der Regel stimme ich Ihnen im Stillen zu, Einiges regt zum Nachdenken an oder bietet neue Gedankenansätze. Das ein oder andere Mal jucke es mich jedoch, in die Tasten zu greifen und zu kommentieren. Ich ließ es, in der Befürchtung, dass es so umfangreich würde wie dieser Kommentar. Ich hoffe, ich habe Sie damit nicht übermäßig beansprucht und dass meine Gedanken nicht zu große Sprünge gemacht haben.

Ich freue mich auch weiterhin bei meinem täglichen Besuch an Ihren Gedanken teilhaben zu dürfen.

Quelle: Via Email

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank, Claudia!

Hinweis: Hier noch einmal der Artikel, auf den sich dieser Kommentar bezieht.

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